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Krakau, die heimliche Hauptstadt Polens.

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Rynek mit Marienkirche und Tuchhalle im Abendlicht.

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Hauptwerk der Marienkirche, der Marienaltar des Veit Stoss.

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Tuchhalle und Stadtturm im Abendlicht. Nach dem Mahl im „Pod Wawelem“ mit Bigos und Zurek haben wir uns entschieden, einen Tag länger in Krakau zu bleiben und den Besuch von Lodz zu streichen.

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Eine fotografische Spielerei, die sich dem unglaublichen Licht sowie dem Kaffee in der Sonne verdankt.

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Auch in Krakau gibt es interessante Beispiele der Zwischenkriegsmoderne.

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Der Wawel im Abendlicht – Blick vom Hotel. Heute morgen mit E. eine Runde Joggen entlang der Weichsel, wie auch schon entlang der Oder in Breslau. Als Linksverteidiger muss man Ausdauer haben …

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Der Wawel ist kunst- und kulturgeschichtlich zweifellos hochinteressant, doch geht es allem Anschein nach im Kern nur um nationale Repräsentation, also um Politik. Solche nationalen Zentralorte in Deutschland nicht zu haben, ist ein großes Glück. Denn auf dem Vehikel Nation wird eine ziemlich eigenartige Mischung präsentiert. Bestes Beispiel ist die Ausstattung des Wawel mit Möbeln aus halb Polen, dazu Gemälden und Teppichen aus unterschiedlichsten Sammlungen und zahlreichen „Ergänzungen“ aus der Zwischenkriegszeit. Momentan ist Leonardos „Dame mit Hermelin“ im Wawel ausgestellt, seit dem 19. Jahrhundert eine Ikone des polnischen Nationalbewusstseins. Das Czartorysky-Museum ist momentan zu, daher nun hier die Präsentation in einem Raum, bewacht von mehreren Leuten …

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Demgegenüber erlaubt es die Präsentation der Kunstwerke in den historischen Räumen des Wawel zum Teil nicht, sich den Gemälden – das Tondo auf dem Bild stammt von Botticelli – näher als auf zehn Meter zu nähern. Kein nationaler Wert, sozusagen. Als habe Leonardo mehr mit Polen zu tun als Botticelli.

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Wasa- und Sigismundkapelle an der Kathedrale auf dem Wawel, italienische Baukunst an der Weichsel.

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Eigenartiger Jugendstil – Haus „Unter der Eule“ im Nowy-Swiat-Viertel.

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Vorsprung und Rücksprung mit Kanneluren – auch dies ein originelles Beispiel für Fassadengliederung.

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Schließlich zweimal im Kazimierz-Viertel gewesen, im 16. Jahrhundert das jüdische Zentrum Polens und seit dem 19. Jahrhundert wieder. Es leben kaum noch Juden hier, von den einst 68.000 in und um Krakau lebenden Juden haben mehr oder weniger nur die von Schindler unter obskuren Umständen geretteten ca. 1000 überlebt, aber der Erinnerungstourismus – dank der erhaltenen Synagogen und Friedhöfe – sowie eine sich in romantisch-abgeranzten Vierteln ausbreitende hippe Studentenschaft verändern das Gesicht des Stadtteils. Zwischen notwendiger Erinnerung, folkloristischem Stettl-Kitsch und dadurch ausgelöster Gentrifizierung wandelt man auf einem schmalen Grad. Es gibt Klezmer-Musik, jüdische Küche und mittlerweile auch sehr gute Museen zum Thema. Dies hier ein Fassadendetail einer Thora-Schule aus dem frühen 19. Jahrhundert.

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In der Tempel-Synagoge.

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… Pop verwandelt Geschichte in …?

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Die alte Synagoge geht auf das 14. Jahrhundert zurück, wurde im 16. Jahrhundert erweitert und im frühen 20. restauriert. Heute ein Museum. Von hier aus sind wir zu Schindler Fabrik im Viertel Podgorze gegangen, das die deutschen Besatzer zum Ghetto machten. Die Fabrik ist heute ein hervorragendes Museum zur jüdischen Geschichte in Krakau.

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Und noch so ein Ort polnischer Identitätsversicherung: Die Galerie zur polnischen Kunst des 19. Jahrhunderts in den Tuchhallen.

 

 

 

 

 

 

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Breslau / Wrozlaw bei herrlichstem Frühherbstwetter. Gelandet noch im Nebel, nach 13 Uhr aber Sonne. Vom Flughafen mit dem Mietwagen erst einmal zur Jahrhunderthalle von 1913.

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Architekt Max Berg

 

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Jetzt mit Sonne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gleich dahinter ein Japanischer Garten, der ebenso zur Jahrhundertausstellung 1913 angelegt und nunmehr rekonstruiert wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Garten ist etwas groß geraten. Die Intimität der historischen Beispiele, die wir in diesem Jahr bereits in New York und San Francisco besucht haben, vermisst man hier – auch im Vergleich zu den uns vertrauten Düsseldorfer Gärten.

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Der Rynek, riesiger Marktplatz mit zentral platzierten Häusergeviert, im Hintertergund die Elisabethkirche.

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Noch einmal der Rynek.

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In der Altstadt gibt es selbst an zentralen Punkten großartige Beispiele der Klassischen Moderne. Von Adolf Rading stammt das Ensemble am Übergang vom Salzmarkt zum Rynek – ehemalige Mohrenapotheke (heute Zeitungssitz) und Bank.

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Erich Mendelsohn erbaute das Kaufhaus Petersdorff 1927/1928.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Detail desselben.

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Aula Leopoldina – eine geistige Brutstätte des Katholizismus, ehe die Preussen ab 1811 eine Universität von europäischem Format daraus machten. Abends zum Konzert im Rahmen der World Music Days – großartig!

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Im Dom auf einer der Oderinseln heimatliche Bezüge: Ein Nachkomme der hl. Elisabeth, Bischof Friedrich von Hessen-Darmstadt, errichtete seiner Stammutter eine barocke Kapelle, die er bei Domenico Guidi in Rom in Auftrag gab – im Bild sein Grab. Auf der gegenüberliegenden Seite des Chors eine Kapelle, mit deren Ausführung Fürstbischof Franz Ludwig von Neuburg, der Bruder des Düsseldorfer Kurfürsten Johann Wilhelm, Fischer von Erlach in Wien betraute.

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Schließlich ein Gruß vom Morgenspaziergang durch die Stadt: Blick durch einen Brückenbogen auf die Türme der Kathedrale. Morgen früh mit dem Wagen noch einmal zur Jahrhunderthalle, denn wir haben am Sonntag vergessen, uns Scharouns Ledigenwohnheim anzusehen. Danach ist ein kurzer Stopp auf dem jüdischen Friedhof geplant, um die Gräber des Botanikers Ferdinand Cohn, dem Begründer der Bakteriologie, sowie des Sozialisten Ferdinand Lassales zu suchen. Ab Mittag sind wir in Krakau.

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Das Ledigenwohnheim Hans Scharouns in der Werkbundsiedlung verdeutlicht noch einmal den Stellenwert der Moderne im Breslau der Zwischenkriegszeit. Nach 1945 sah sich die vollständig ausgetauschte Bevölkerung mit einem Geschichtserbe konfontiert, das mit ihrer eigenen galizischen Vergangenheit nichts zu tun hatte. Das barocke Matthiasstift wurde in eine Bibliothek verwandelt, die eigentlich aus Lemberg stammt, aber nunmehr die größte ihrer Art in Polen ist, die katholischen wie protestantischen Friedhöfe wurden eingeebnet, und die Erhaltung des alten jüdischen Friedhofs verdankt sich lediglich dem Umstand, dass die neuangesiedelten Ostpolen mit der jüdischen Geschichte Breslaus noch weniger anzufangen wussten als mit der deutschen Vergangenheit. Alles in allem stellt sich Breslau als disparat dar: deutsche Geschichte, polnischer Alltag; ein architektonisches Erbe, das in seiner Dichte und Qualität an Leipzig erinnert, jedoch noch auf seine flächendeckende Sanierung warten muss. Daneben eine überraschende polnische Moderne, die zwar runtergekommen ist, aber viel origineller zu sein scheint als die Architektur der DDR.

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Ferdinand Cohns Grab auf dem jüdischen Friedhof. Cohn war nicht nur Naturwissenschaftler von Rang, sondern schrieb auch die erste deutschsprachige Monographie zur Gartengeschichte.

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Der jüdische Friedhof wurde 1942 geschlossen und erst seit den 1970er Jahren unternahm man Schritte, das auch heute noch in Teilen überwucherte Areal wieder zugänglich zu machen.