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Es ist Zeit, Sayonara – さようなら – zu sagen. In den letzten Tagen haben wir in Tokyo noch ein paar historische Gärten besichtigt, Museen besucht und die Stadt erkundet, im Rotlichtviertel zu Abend gegessen und mit dreimal duschen der Hitze getrotzt.

Die Eindrücke sind vielfältig: Es gibt fast keinen Müll auf den Straßen, aber auch keine bzw. kaum Mülleimer, ein Paradox, mit dem man eine deutsche Kommunalverwaltung sicher in den Irrsinn treiben kann. Die Spielhallen verbreiten einen ohrenbetäubenden Lärm, wenn die Türen nur kurz aufgehen. Die Kneipen werden am Abend zu mindesten 95% von Männern in Anspruch genommen, in Restaurants ist das etwas augeglichener. Geschäftsleute (Männer) tragen fast durchgehend weiße Hemden und dunkle Hosen als Uniform ihrer sozioökonomischen Relevanz. Japan hat ganz offensichtlich kein gesellschaftliches Adipositas-Problem wie Deutschland oder am schlimmsten die USA und Männer neigen kaum zu Haarausfall, ein Eindruck, der auch täuschen mag… Das Land bleibt in vielen Dingen fremd, doch bilden die wundervollen Murakami-Bücher eine Art Brücke.

Wir werden das Vogelgezwitscher in den Bahnhöfen vermissen …

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Im Shinkuju-Gyoen-Nationalgarten, ein Stadtpark des frühen 20. Jhs. mit englischem Landschaftsgarten (im Bil), französischem Garten und natürlich Bereichen, …

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… die für die japanische Gartentradition stehen.

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Der Koishikawa-Korakuen-Garten ist einer der ältesten der Stadt und geht auf das frühe 17. Jh. zurück. Zahlreiche Gartenteile bilden Miniaturen von chinesischen und japanischen Landschaften – hier eine Szene aus Kyoto.

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… hier auch alte Bauten, wie dieser Schrein.

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Der Pflegezustand der Anlagen, die alle um die 300 Yen (zwei Euro) Eintritt kosten, ist vorbildlich.

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Der Kyu-shiba-rikyu-Garten, ebenfalls ein Aristokratengarten des 17. Jhs., wurde ursprünglich von Meerwasser gespeist …

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… heute ist er von Hochhäusern umzingelt.

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Akklimatisiert! Heißt: Fisch zum Abendessen, ausgeschlafen, Fisch zum Frühstück, umherlaufen, U-Bahn-fahren, relaxen, Fisch zum Mittag (in der Bento-Box). Das Fremde und das als fremd Vorgestellte sind schwer zu trennen. Auf den Straßen beobachten wir Leute, die oft keine Sonnenbrillen tragen sowie Autos, die fast alle aus irgend einem Grund geputzt sind. Mehr als die Oberfläche ist ohne Sprache kaum drin. Gesehen haben wir Shibuya, den Yoyogi-Park, den Meiji-Schrein mit Park, den Hama-Rikyu-Garten sowie das Ginza-Viertel.

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Kenzo Tanges Olympiahalle von 1964, einfach Klasse. Die Stadt ist ein architektonisches Chaos und zugleich reich an erstklassiger Architektur. Neben den Japanern scheint hier auch jeder international erfolgreiche Architekt gebaut zu haben – Piano, Bofille, Forster, Herzog & de Meuron, Rogers, Nouvel, Rossi usw., selbst F.L. Wright und Le Corbusier. Das steht zumindest für Abwechslung und Originalität, manchmal auch um jeden Preis.

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Der Schrein für Kaiser Meiji und seine Frau Shoken aus den 1920er Jahren. Praktisch, eine Religion wie den Shintoismus zu pflegen, die es gestattet, Kaiser und Kaiserin gottgleich (das heißt mit gewaschenen Händen und ausgespültem Mund) zu verehren.

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Der Garten ist hinreißend: Von Meerwasser gespeist, d.h. auch, Ebbe und Flut ausgesetzt. Die Anlage geht auf den Garten eines Shoguns aus dem 17. Jh. zurück.

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Dass Tokyo sehr sauber ist, basiert ganz offensichtlich auf diesem öffentlichen Equipement.

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Interessante Architektur ohne Eintrag in unserem Architectural Guide Japan.

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Gute Architektur mit Eintrag in unserem Architekturführer: Ein Haus aus 144 vorgefertigten Wohnkapseln, 1972 von Kisho Kurokawa erbaut. Die Wohnkapseln, die es bis heute in Tokyo gibt, waren hier mit Bad, Kleinküche, Arbeitsplatz, Stuhl, Bett Stereoanlage, TV sowie Klimaanlage ausgestattet. Jetzt runtergekommen und leer, steht leider der Abriss an.

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Mein Haus, mein Auto … wahrscheinlich stehen dicke Autos auch hier für eine perverse Vorstellung von Sozialprestige …

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Um einen heiligen Baum am Meiji-Schrein Voivtafeln mit Gebeten, Wünschen, Dankformeln. Viele wünschen sich Gesundheit, Glück oder gedenken toter Freunde und Verwandter. E. hat die 500 Yen kostende Tafel mit einer unbescheidenen Bitte bekritzelt: Der BVB möge Meister werden (Ort und Zeitpunkt sind gut gewählt, in ein paar Tagen spielt der BVB hier gegen Kawasasaki).