05/16 Cambodia

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Kleiner appetizer: Wir sind bestens in Kambodscha gelandet, der Transfer in Ho-Chi-Mingh-Stadt war unproblamtisch. Von einem der reichsten in eines der ärmsten Länder Südostasiens. Die Servilität der Angestellten im Hotel ist manchmal peinlich, E. hat darin noch keine Erfahrung und bemerkte angesichts der Zuwendung durch Hotelboys, er sei doch kein Minister … Heute morgen die erste Fahrt zu den Tempeln von Ankor Wat, Angkor Tom und Ta Prohm im Tuk Tuk. Alles wunderbar, Bericht folgt. Einziges Problem: unerbittliche 37°C.

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Mit Angkor Wat zu beginnen, war nur den Routinen unsers Tuk-Tuk-Fahrers geschuldet, erst heute haben wir die ältesten Bauten der begrifflich grob unter Angkor Wat subsumierten Epoche vom 9. bis zum 14. Jahrhundert kennen gelernt. Die Tempelanlage von Angkor Wat ist ganz sicher ein, wenn nicht DER Höhepunkt – umgeben von Kanälen, die eine Insellage schaffen und zugleich dem Reisanbau dienen, untergliedert in ein spitituelles Zentrum, das sich über mehrere Höhenebenen erstreckt, umgeben von Wandelgängen mit einer Unzahl an Reliefs und Skulpturen. Hier der Blick vom Ufer des Westzugangs über den Eingangsturm (Prasat) bis zum Heiligtum. Die Brücke sowie der gesamte Wasserlaf war über Kilometer von einer Balustrade in Schlangeform dekoriert – Teile davon sind erhalten.

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Blick auf den Haupttempel.

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Relief mit Devatas, weiblichen Schutzgottheiten (jedenfalls soweit ich das verstehe). Zweite Hälfte des 12. Jhs.

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Über mehrere Hunderte Meter ziehen sich Reliefs, die nahezu wandhoch unerschiedliche Geschichten – mythologische, religiöse und politische – erzählen. Oft handelt es sich um stilisierte Darstellungen, manchmal mit verblüfendem Naturalismus und lebensnahen Szenen.

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Rückblick aus dem zentralen Prasat (Turm) des Pyramidentempels auf die vorgelagerte Toranlage. tbc

02/16 Singapore

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Zu den Hauptattraktionen des Stadtstaats zählen die noch jungen Gardens by the Bay zwischen Marina und Meer. Es handelt sich um eine Mischung aus botanischen und thematischen Gärten nebst originellen Gewächshäusern, die völlig zu recht „dome“ heißen, sowie Erholungsstätten und Spielplätzen. Ein Kolonialgarten, ein malayischer, chinesischer und ein indischer Garten bilden das Spiegelbild der eigenen Multiethnizität sowie deren Geschichte. Das kommt alles sehr ideologisch und didaktisch daher und ist gewiss gigantoman, aber auch ganz gekonnt.

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Blickpunkte bilden die giant trees, Metallkonstruktionen mit vertikaler Bepflanzung – in diesem Klima mit konstant über 12 Monate mehr oder weniger 30 ° Celsius – keine richtige Herausforderung. Einige Bäume sind mit einem sky walk miteinander verbunden, der gestern leider geschlossen war.

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Dafür sind wir mit dem Aufzug auf einen Baum hinaufgefahren, der in der „Krone“ nicht nur eine Bar sowie ein Restaurant bietet, sondern auch einen wunderbaren Rundumblick auf die Stadt und das Meer.

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Neben einem Flower Dome mit einer gigantischen Sukkulentensammlung sowie wechselnden Blumenarrangements bildet der Cloud Forest Dome einen künstlichen Regenwald mit Wasserfall. Spiralförmig geht man einen Berg hinauf sowie hinunter und wird dabei mit unzähligen Pflanzen vertraut gemacht.

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Am Ende wieder politisches Programm. Ein wirklich anschaulicher Film auf Großleinwand verdeutlicht die Folgen des ungebremsten Klimawandels auf +5 °C bis 2100. Davon wären Städte wie Singapur erheblich betroffen. Sich als grüne Stadt zu definieren, ist übelebenswichtig, will uns das sagen, und es überzeugt auch, denn an negativen Beispielen in der Region (abfackeln und roden von Regenwald, Verkehr, Chemieverseuchung) mangelt es wahrlich nicht. Es gab am Abend malayisches Essen (u.a. Laksa) – das hieß, da zumeist von Moslems betrieben, – kein Alkohol. Den heutigen Zoobesuch später.

01/16 Singapore

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Singapore, alt und neu stets beieinander, der Eindruck von Globalisierung ist angesichts der multiethnischen Bevölkerung und ihrer Multireligiosität ziemlich stark. Dir Originalität der Bauformen – nicht alles ist schön – verdeutlicht Deutschlands provinziellen Status auf dem Gebiet der zeitgenössischen Baukunst. Nach Stop in Abu Dhabi heute morgen 10 Uhr gelandet, zu Mittag in Chinatown, kleiner Spaziergang, Pool, Schläfchen und opulentes Abendessen in Little India. Dieses Viertel war dann doch eine Überraschung: Der U-Bahn entstiegen, fanden wir uns in einer dichten Menschenmenge – 99% Inder, 99 % Männer, 99% im Alter zwischen 25 und 35 Jahren und 99 % trugen kurzärmliche Hemden … Und nach etwas suchen – Tandoori Chicken…

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Singapore River

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Ikonische Architekur: Marina Bay Sands, erbaut von Mosche Safdie, Prof. in Harvard und Architekt von Yad Vashem in Jerusalem. Links daneben das Art Science Museum. Dahinter die Gardens by the Bay, die wir morgen besuchen …

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Akklimatisiert! Heißt: Fisch zum Abendessen, ausgeschlafen, Fisch zum Frühstück, umherlaufen, U-Bahn-fahren, relaxen, Fisch zum Mittag (in der Bento-Box). Das Fremde und das als fremd Vorgestellte sind schwer zu trennen. Auf den Straßen beobachten wir Leute, die oft keine Sonnenbrillen tragen sowie Autos, die fast alle aus irgend einem Grund geputzt sind. Mehr als die Oberfläche ist ohne Sprache kaum drin. Gesehen haben wir Shibuya, den Yoyogi-Park, den Meiji-Schrein mit Park, den Hama-Rikyu-Garten sowie das Ginza-Viertel.

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Kenzo Tanges Olympiahalle von 1964, einfach Klasse. Die Stadt ist ein architektonisches Chaos und zugleich reich an erstklassiger Architektur. Neben den Japanern scheint hier auch jeder international erfolgreiche Architekt gebaut zu haben – Piano, Bofille, Forster, Herzog & de Meuron, Rogers, Nouvel, Rossi usw., selbst F.L. Wright und Le Corbusier. Das steht zumindest für Abwechslung und Originalität, manchmal auch um jeden Preis.

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Der Schrein für Kaiser Meiji und seine Frau Shoken aus den 1920er Jahren. Praktisch, eine Religion wie den Shintoismus zu pflegen, die es gestattet, Kaiser und Kaiserin gottgleich (das heißt mit gewaschenen Händen und ausgespültem Mund) zu verehren.

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Der Garten ist hinreißend: Von Meerwasser gespeist, d.h. auch, Ebbe und Flut ausgesetzt. Die Anlage geht auf den Garten eines Shoguns aus dem 17. Jh. zurück.

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Dass Tokyo sehr sauber ist, basiert ganz offensichtlich auf diesem öffentlichen Equipement.

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Interessante Architektur ohne Eintrag in unserem Architectural Guide Japan.

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Gute Architektur mit Eintrag in unserem Architekturführer: Ein Haus aus 144 vorgefertigten Wohnkapseln, 1972 von Kisho Kurokawa erbaut. Die Wohnkapseln, die es bis heute in Tokyo gibt, waren hier mit Bad, Kleinküche, Arbeitsplatz, Stuhl, Bett Stereoanlage, TV sowie Klimaanlage ausgestattet. Jetzt runtergekommen und leer, steht leider der Abriss an.

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Mein Haus, mein Auto … wahrscheinlich stehen dicke Autos auch hier für eine perverse Vorstellung von Sozialprestige …

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Um einen heiligen Baum am Meiji-Schrein Voivtafeln mit Gebeten, Wünschen, Dankformeln. Viele wünschen sich Gesundheit, Glück oder gedenken toter Freunde und Verwandter. E. hat die 500 Yen kostende Tafel mit einer unbescheidenen Bitte bekritzelt: Der BVB möge Meister werden (Ort und Zeitpunkt sind gut gewählt, in ein paar Tagen spielt der BVB hier gegen Kawasasaki).

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Japan 2015 – Konigiwa allerseits!

Die Reise war weitgehend unbeweschwerlich und entschädigte überdies gegen Ende mit einem Blick auf den gigantischen Amur, den östlichsten Strom Russlands (für die Eingeweihten: „Durchs Gebirge, durch die Steppe zog …“ – https://www.youtube.com/watch?v=3xNMDqlYz80 – ). Mit Pasmo-Card für alle möglichen Bahnen versorgt, konnten wir von Narita Airport bis Asakusa fahren, einem von der Edo-Zeit geprägten Stadtviertel Tokyos.

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Fünfstöckige Pagode am Sensoji-Tempel in Asukasa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Im Hintergrund der Tokyo Skytree, 634 Meter hoch, im Mittelgrund ein Bau der Asahi-Brauerei von Philippe Starck, dessen postmoderne Wurmsymbolik sich nicht gerade erschließt. Im Vordergrund ein Restaurantschiff auf dem Sumidagawa-River.

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Poznań

Nun mit einem Akzent auf dem n – also polnisch. Polonität spielt in dieser nach der Dritten Polnischen Teilung bis 1918 sowie zwischen 1939 und 1945 zweier beispielloser Germanisierungswellen ausgesetzten Stadt eine herausragende Rolle. Es passt sehr gut, dass wir hier in einem tschechischen Restaurant den polnischen Sieg über das deutsche Team miterlebt haben.

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Das Renaissance-Rathaus – ein origineller Bau, Mitte des 16. Jahrhunderts von einem Tessiner Architekten errichtet, im späten 18. Jh. ein wenig verändert und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut – dominiert den Rynek. Die politische und ökonomische Bedeutung der Stadt in Spätmittelalter und Früher Neuzeit wird durch den architektonischen Reichtum aus dieser Zeit sehr anschaulich.

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Auch das Innere des Rathauses mit selbstbewusster Ikonographie. Hier Herkules im Ratssaal – ohne Keule, dafür mit seinen beiden Säulen wohl auf dem Weg ans Ende der Welt.

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Die Wache auf dem Markt – daneben die Stadtwaage -, erbaut von Johann Christian Kamsetzer, gebürtiger Dräsdnor, polnischer Hofarchitekt des späten 18. Jahrhunderts.

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Renaissanceportal am Górka-Palais in der Altstadt.

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Inmitten einer vor Joseph Stübben unter preußischer Verwaltung geplanten Stadterweiterung befindet sich die 1905-1910 erbaute Residenz Kaiser Wilhelms II. Am Werk waren mehr oder weniger die Künstler der Berliner Gedächtnisskirche (Schwechten, Puhl & Wagner). Der riesige Bau – hier nur etwa ein Viertel im Bild – steht für Masse statt Klasse, aber dafür war Wilhelm II. ja ein Spezialist. So unscheinbar also – hinzu kommen noch Akademie, Oper, Verwaltungsbauten usw. – schrieb sich sich das Deutsche Reich ins Posener Stadtbild ein, um die polnische Bevölkerung von seinen lauteren Absichten zu überzeugen …

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… der polnische Adel konterte bereits im 19. Jh. mit Finesse: Athanasius Raszyński errichtete der Stadt eine Bibliothek, um die polnische Literatur zu fördern. Der betuchte Adlige war preußischer (!) Gesandter in Paris, eine Erfahrung, der sich wohl die Adaption der Louvre-Ost-Fassade verdankt, und besaß eine herausragende Gemäldesammlung. Die Säulen der Kolonnade sind übrigens aus Gusseisen gefertigt.

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Außerhalb des Zentrums auf einer Insel zwischen Warthe (Warta) und einem Kanal liegt die Kathedrale.

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Das Grab der Familie Górka von Hieronymus (Girolamo) Canavesi von ca. 1574. Das Detail zeigt die die Inschrift des Bildhauers, der, so steht es geschrieben, seinerzeit in der Floriansstraße in Krakau ansässig war.

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1909 errichtet, wurde die Synagoge 1939 von den deutschen Besatzern in eine Schwimmhalle umfunktioniert, die sie bis vor kurzem war. Es ist geplant, hier ein jüdisch-polnisches Kulturzentrum einzurichten. Noch einmal nach Breslau zurück gekehrt, bemerken wir, um wieviel moderner sich das Stadtbild der niederschlesischen Metropole im Vergleich mit Poznań darstellt; moderner auch im Sinne von umfassend restauriert. Dies hängt sicher mit der am Ort bestens organisierten Architektenausbildung zusammen. Auf dem Weg von Poznań nach Breslau waren wir noch am Grab der Heiligen Hedwig in Trzebnica. Das nächste Mal geht es in den Norden bzw. nach Osten: Danzig, Thorn, Warschau, Lublin. Die England-Exkurson wird bei Gelegenheit nachgetragen.

 

 

 

 

 

 

 

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Krakau, die heimliche Hauptstadt Polens.

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Rynek mit Marienkirche und Tuchhalle im Abendlicht.

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Hauptwerk der Marienkirche, der Marienaltar des Veit Stoss.

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Tuchhalle und Stadtturm im Abendlicht. Nach dem Mahl im „Pod Wawelem“ mit Bigos und Zurek haben wir uns entschieden, einen Tag länger in Krakau zu bleiben und den Besuch von Lodz zu streichen.

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Eine fotografische Spielerei, die sich dem unglaublichen Licht sowie dem Kaffee in der Sonne verdankt.

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Auch in Krakau gibt es interessante Beispiele der Zwischenkriegsmoderne.

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Der Wawel im Abendlicht – Blick vom Hotel. Heute morgen mit E. eine Runde Joggen entlang der Weichsel, wie auch schon entlang der Oder in Breslau. Als Linksverteidiger muss man Ausdauer haben …

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Der Wawel ist kunst- und kulturgeschichtlich zweifellos hochinteressant, doch geht es allem Anschein nach im Kern nur um nationale Repräsentation, also um Politik. Solche nationalen Zentralorte in Deutschland nicht zu haben, ist ein großes Glück. Denn auf dem Vehikel Nation wird eine ziemlich eigenartige Mischung präsentiert. Bestes Beispiel ist die Ausstattung des Wawel mit Möbeln aus halb Polen, dazu Gemälden und Teppichen aus unterschiedlichsten Sammlungen und zahlreichen „Ergänzungen“ aus der Zwischenkriegszeit. Momentan ist Leonardos „Dame mit Hermelin“ im Wawel ausgestellt, seit dem 19. Jahrhundert eine Ikone des polnischen Nationalbewusstseins. Das Czartorysky-Museum ist momentan zu, daher nun hier die Präsentation in einem Raum, bewacht von mehreren Leuten …

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Demgegenüber erlaubt es die Präsentation der Kunstwerke in den historischen Räumen des Wawel zum Teil nicht, sich den Gemälden – das Tondo auf dem Bild stammt von Botticelli – näher als auf zehn Meter zu nähern. Kein nationaler Wert, sozusagen. Als habe Leonardo mehr mit Polen zu tun als Botticelli.

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Wasa- und Sigismundkapelle an der Kathedrale auf dem Wawel, italienische Baukunst an der Weichsel.

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Eigenartiger Jugendstil – Haus „Unter der Eule“ im Nowy-Swiat-Viertel.

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Vorsprung und Rücksprung mit Kanneluren – auch dies ein originelles Beispiel für Fassadengliederung.

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Schließlich zweimal im Kazimierz-Viertel gewesen, im 16. Jahrhundert das jüdische Zentrum Polens und seit dem 19. Jahrhundert wieder. Es leben kaum noch Juden hier, von den einst 68.000 in und um Krakau lebenden Juden haben mehr oder weniger nur die von Schindler unter obskuren Umständen geretteten ca. 1000 überlebt, aber der Erinnerungstourismus – dank der erhaltenen Synagogen und Friedhöfe – sowie eine sich in romantisch-abgeranzten Vierteln ausbreitende hippe Studentenschaft verändern das Gesicht des Stadtteils. Zwischen notwendiger Erinnerung, folkloristischem Stettl-Kitsch und dadurch ausgelöster Gentrifizierung wandelt man auf einem schmalen Grad. Es gibt Klezmer-Musik, jüdische Küche und mittlerweile auch sehr gute Museen zum Thema. Dies hier ein Fassadendetail einer Thora-Schule aus dem frühen 19. Jahrhundert.

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In der Tempel-Synagoge.

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… Pop verwandelt Geschichte in …?

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Die alte Synagoge geht auf das 14. Jahrhundert zurück, wurde im 16. Jahrhundert erweitert und im frühen 20. restauriert. Heute ein Museum. Von hier aus sind wir zu Schindler Fabrik im Viertel Podgorze gegangen, das die deutschen Besatzer zum Ghetto machten. Die Fabrik ist heute ein hervorragendes Museum zur jüdischen Geschichte in Krakau.

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Und noch so ein Ort polnischer Identitätsversicherung: Die Galerie zur polnischen Kunst des 19. Jahrhunderts in den Tuchhallen.