15-18

Es ist Zeit, Sayonara – さようなら – zu sagen. In den letzten Tagen haben wir in Tokyo noch ein paar historische Gärten besichtigt, Museen besucht und die Stadt erkundet, im Rotlichtviertel zu Abend gegessen und mit dreimal duschen der Hitze getrotzt.

Die Eindrücke sind vielfältig: Es gibt fast keinen Müll auf den Straßen, aber auch keine bzw. kaum Mülleimer, ein Paradox, mit dem man eine deutsche Kommunalverwaltung sicher in den Irrsinn treiben kann. Die Spielhallen verbreiten einen ohrenbetäubenden Lärm, wenn die Türen nur kurz aufgehen. Die Kneipen werden am Abend zu mindesten 95% von Männern in Anspruch genommen, in Restaurants ist das etwas augeglichener. Geschäftsleute (Männer) tragen fast durchgehend weiße Hemden und dunkle Hosen als Uniform ihrer sozioökonomischen Relevanz. Japan hat ganz offensichtlich kein gesellschaftliches Adipositas-Problem wie Deutschland oder am schlimmsten die USA und Männer neigen kaum zu Haarausfall, ein Eindruck, der auch täuschen mag… Das Land bleibt in vielen Dingen fremd, doch bilden die wundervollen Murakami-Bücher eine Art Brücke.

Wir werden das Vogelgezwitscher in den Bahnhöfen vermissen …

01DSC_0482 Kopie

Im Shinkuju-Gyoen-Nationalgarten, ein Stadtpark des frühen 20. Jhs. mit englischem Landschaftsgarten (im Bil), französischem Garten und natürlich Bereichen, …

02DSC_0490 Kopie

… die für die japanische Gartentradition stehen.

03DSC_0543 Kopie

Der Koishikawa-Korakuen-Garten ist einer der ältesten der Stadt und geht auf das frühe 17. Jh. zurück. Zahlreiche Gartenteile bilden Miniaturen von chinesischen und japanischen Landschaften – hier eine Szene aus Kyoto.

04DSC_0535 Kopie

… hier auch alte Bauten, wie dieser Schrein.

05DSC_0574 Kopie

Der Pflegezustand der Anlagen, die alle um die 300 Yen (zwei Euro) Eintritt kosten, ist vorbildlich.

06DSC_0619 Kopie

Der Kyu-shiba-rikyu-Garten, ebenfalls ein Aristokratengarten des 17. Jhs., wurde ursprünglich von Meerwasser gespeist …

07DSC_0612 Kopie

… heute ist er von Hochhäusern umzingelt.

15-17

Tokyo: Heute war Fuji-Tag. Wir haben den heiligen Berg der Japaner vom Shinkansen aus gesehen sowie am frühen Abend noch einmal von der Aussichtsplattform des Tokyo-Towers.

01IMG_0425

Fuji I.

02IMG_0430

Fuji II.

03DSC_0449 Kopie

Blick zum Tokyo-Tower.

04DSC_0443 Kopie

Blick vom Tokyo-Tower.

05DSC_0410 Kopie

Urbane Verdichtung in Reinform.

06DSC_0438 Kopie

Blick nach Westen zum 80 Kilometer entfernten Fuji, der hier gerade so aus den Wolken lugt. Die Sonne geht hier übrigens im Norden unter und vergleichsweise früh.

15-16

Morgen früh geht es mit dem Shinkansen von Okayama zurück nach Tokyo: 4h 12 Minuten für 665km! Heute stand ein Ausflug nach Kurashiki auf dem Programm. Die Stadt besitzt ein sehr gut erhaltenes Viertel aus der Edo-Zeit mit Handelshäusern, Warenlagern, Manufakturen und Museen von internationalem Rang. Diese Bedeutung als urbane Sehenswürdigkeit besitzt einen Preis, der hier wie an Orten gleichen Zuschnitts zu begleichen ist: Es geht anscheinend nicht ohne die idiotische Souvenirindustrie, in Kurashiki flankiert von hübschen Läden mit Kunsthandwerk sowie Restaurants, ganz so wie in Rüdesheim, Rothenburg ob der Tauber usw.

B01DSC_0364 Kopie

Zunächst haben wir das 1796 erbaute Haus des Tee- und Salz-Händlers Ohashi, des reichsten Bürgers der Stadt, besichtigt …

B02DSC_0356 Kopie

…um mehrere Höfe gruppiert, mit angeschlossenem Garten sowie Speichern.

B03DSC_0377 Kopie

Der Bikan-District erstreckt sich entlang eines Kanals. Hier waren Textilmanufakturen sowie Töpfereien ansässig.

B04

Sonntagsausflug …

B05DSC_0397 Kopie

Das Ohara-Kunst-Museum ist das älteste Museum für westliche Kunst in Japan. Erworben wurde die Sammlung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jhs. von Ōhara Magosaburō, der den Maler Kojima Torajirō nach Europa auf Einkaufstour schickte. Das späte 19. sowie das frühe 20. Jh. sind ganz ordentlich bestückt, eine Verkündigung El Grecos ergänzt die Sammlung, in der uns aber auch die chinesischen Antiken sowie die japanischen Keramiken und Graphiken sehr gut gefallen haben. Die Präsentation ist, verglichen mit dem, was wir bereits gesehen haben, luschig.

 

15-15

Mit dem Shinkansen nach Okayama, wo wir mit dem Kōraku-en einen der berühmtesten Gärten Japans besuchten. Vom Daimyo Ikeda Tsunamasa 1687 in Auftrag gegeben, zählt er zum Typus der feudalen Wandelgärten, wie ihn die Kaiser in Kyoto und Edo in der Edo-Epoche, besonders im 17. Jh. bevorzugten. Er ist in seiner Choreographie der Abfolge einzelner Gartenbilder beim Spaziergang durch die Anlage mit dem englischen Landschaftsgarten verwandt. Das Wetter war prächtig (nur zu heiß), so dass wir uns einige Stunden hier aufhielten, ehe wir die jenseits des Asahi-Flusses gelegene Burg, eine vollständige Rekonstruktion nach dem II. Weltkrieg ansahen.

01DSC_0183 Kopie

Der Shinkansen fährt ein …

02DSC_0281 Kopie

Blick vom Garten, der auf einer durch den Asahi-Fluss gebildeten Insel liegt, auf die Burg im Hintergrund.

03DSC_0209 Kopie

Blühende Lotusblumen.

04DSC_0249 Kopie

In den Garten integriert ein Reisfeld sowie eine Teeplantage; Blick vom zentralen Hügel.

05DSC_0260 Kopie

In einem der Pavillons; Sitzmöglichkeiten zu beiden Seiten eines schmalen Kanals.

06DSC_0296 Kopie

Garten und Burg.

07DSC_0310 Kopie

Die Burg.

08DSC_0323 Kopie

Blick vom Hauptturm der Burg auf den Garten.

 

 

15-14

Himeji – mit der gleichnamigen, berühmtesten aller Burgen Japans. In Spitzenzeiten, zur Kirschblüte im Hochsommer sowie an Festttagen wird die Anzahl der Besucher auf 15.000 begrenzt! Davon waren wir glücklicherweise weit entfernt, denn hier sind noch keine Ferien. Die Burg ist extrem fotogen, wenn man sich nicht im Griff hat, sind nach einer Stunde mehrere Hundert Aufnahmen gemacht. Der Baukomplex thront über der Stadt, die im II. Weltkrieg mit Ausnahme der Burg vollständig zerstört wurde. Die Provinzstadt (530.000 Ew.) könnte mit ihrer ansonsten ges(ch)ichtslosen Architektur auch in den USA liegen. Aber Einkaufen kann man auch hier sehr gut.

01DSC_0091 Kopie

Der Hauptturm der Burg: sechs Geschosse, steile Treppen, alles Holz. Der Bau steht auf lediglich zwei Pfeilern.

02DSC_0095 Kopie

Eines der unzähligen Tore.

03DSC_0127 Kopie

Im Inneren: Es gab neben Badebecken auch in den Boden eingelassene Toiletten, die aber nie benutzt wurden, so die Information. Warum man die Klos einer um 1335 erbauten und um 1600 baulich entscheidend veränderten Burg nicht benutzte, erfährt man leider nicht. Soviel zu Sinn und Unsinn touristischer Wissensvermittlung …

04DSC_0140 Kopie

Blick von einem der Nebentürme.

05DSC_0181 Kopie

Alles ist in Himeji auf die Burg ausgerichtet, so auch die Hauptstraße vom Bahnhof nach Norden.

15-13

Bevor wir heute von Nara über Osaka nach Himeji gefahren sind, haben wir die Tempelanlage Horyu-ji einige Kilometer südlich von Nara besucht. Es handelt sich um die ältesten Holzbauten der Welt – z.T. stammen sie aus dem 7. Jh. -, überdies mit die ältesten buddhistischen Anlagen in Japan. Während Nara von Tagestouristen aus Kyoto bevölkert bzw., wie fast alle Attraktionen hier, von chinesischen Reisebusgruppen heimgesucht wird, war es in Horyu-ji erstaunlich ruhig und leer. Die wichtigsten Skulpturen werden in einer eigens errichteten Halle präsentiert, erneut eine glanzvolle Inszenierung von Yoshio Taniguchi.

01_HoryujiDSC_0069 Kopie

Die Anlage besteht aus mehreren Bauwerken, hier der Blick auf die Haupthalle mit den wichtigsten Heiligtümern, d.h. Monumentalskulptur und Malerei aus dem 7.-10. Jh.

02_HoryujiDSC_0058 Kopie

Haupthalle, Tor und Pagode von der Vortragshalle aus.

03_HoryujiDSC_0050 Kopie

Den inneren Bereich umgibt eine Art Kreuzgang, an den in den Ecken noch einmal eigene Gebäude angeschlossen sind, hier die Bibliothek.

04_HoryujiDSC_0045 Kopie

Die Bildhauerei des 7. Jahrhunderts kann eigentlich alles, von mimetischer Treue bis zu stilisierter Expressivität, wie dieser monumentale Kopf einer Wächtergottheit im Tor zeigt.

05HoryujiDSC_0090 Kopie

Die Tradition der Holzverarbeitung und -verwendung ist absolut beeindruckend!

06DSC_0019 Kopie

Nachdem wir nach kurzer Bahnfahrt gegen Mittag wieder Nara erreicht hatten, folgte ein weiterer Rundgang, zunächst zum Todai-ji, in dem eine monumentale bronzene Buddhastatue aus dem 8. Jh. sowie weitere Monumentalplastiken stehen.

07DSC_0036 Kopie

Hier eine Kriegerfigur.

08DSC_0011 Kopie

Die Hirsche benehmen sich wie die Touristen, was auch anders herum gilt, wobei nur eine der beiden Gruppen regelmäßig auf die Wege scheißt. Hier ein Hirsch im Souvenirladen, etwas verwirrt angesichts der Angebote. Obwohl vor dem Füttern aus hygienischen Gründen (!) gewarnt wird, vertreiben offizielle Händler Futter, das von den Touristen gerne gekauft und dann eben verfüttert wird. Nicht selten reagieren die Tiere etwas ungehalten, wenn das Essen alle ist. Alles in allem eine infantile Show, die natürlich eine wahre Selfieflut provoziert. Bambi und Selfie, das sagt schon alles und klingt auch so …

15-12

Nara, eine Stunde südlich von Kyoto, war im 8. Jh. Japans Hauptstadt. Zahlreiche Tempelanlagen in und um Nara herum bezeugen den kulturellen Aufbruch dieser Zeit.

Ein erster Spaziergang führte uns zur Tempelanage Kofoku-ji mit der fünfstöckigen Pagode, usrprünglich aus dem Jahr 725, nach Zerstörungen im 15. Jh. wieder aufgebaut. Der Nara-Park bildet ein einzigartiges Ensemble mehrerer solcher Tempelanlagen des frühen Buddhismus in Japan.

01DSC_0015 Kopie

Die fünfstöckige Pagode. Die nebenstehende Halle wurde zur Skulpturengalerie umfunktioniert und birgt herausragende Werke!

02DSC_1027 Kopie

Der Park ist für seine zahmen Sikahirsche bekannt.

03DSC_1033 Kopie

… allerdings ist Vorsicht geboten …

04DSC_1037 Kopie

Pavillon im Nara-Park.

05DSC_1046 Kopie

Bridal shooting.