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Poznań

Nun mit einem Akzent auf dem n – also polnisch. Polonität spielt in dieser nach der Dritten Polnischen Teilung bis 1918 sowie zwischen 1939 und 1945 zweier beispielloser Germanisierungswellen ausgesetzten Stadt eine herausragende Rolle. Es passt sehr gut, dass wir hier in einem tschechischen Restaurant den polnischen Sieg über das deutsche Team miterlebt haben.

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Das Renaissance-Rathaus – ein origineller Bau, Mitte des 16. Jahrhunderts von einem Tessiner Architekten errichtet, im späten 18. Jh. ein wenig verändert und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut – dominiert den Rynek. Die politische und ökonomische Bedeutung der Stadt in Spätmittelalter und Früher Neuzeit wird durch den architektonischen Reichtum aus dieser Zeit sehr anschaulich.

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Auch das Innere des Rathauses mit selbstbewusster Ikonographie. Hier Herkules im Ratssaal – ohne Keule, dafür mit seinen beiden Säulen wohl auf dem Weg ans Ende der Welt.

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Die Wache auf dem Markt – daneben die Stadtwaage -, erbaut von Johann Christian Kamsetzer, gebürtiger Dräsdnor, polnischer Hofarchitekt des späten 18. Jahrhunderts.

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Renaissanceportal am Górka-Palais in der Altstadt.

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Inmitten einer vor Joseph Stübben unter preußischer Verwaltung geplanten Stadterweiterung befindet sich die 1905-1910 erbaute Residenz Kaiser Wilhelms II. Am Werk waren mehr oder weniger die Künstler der Berliner Gedächtnisskirche (Schwechten, Puhl & Wagner). Der riesige Bau – hier nur etwa ein Viertel im Bild – steht für Masse statt Klasse, aber dafür war Wilhelm II. ja ein Spezialist. So unscheinbar also – hinzu kommen noch Akademie, Oper, Verwaltungsbauten usw. – schrieb sich sich das Deutsche Reich ins Posener Stadtbild ein, um die polnische Bevölkerung von seinen lauteren Absichten zu überzeugen …

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… der polnische Adel konterte bereits im 19. Jh. mit Finesse: Athanasius Raszyński errichtete der Stadt eine Bibliothek, um die polnische Literatur zu fördern. Der betuchte Adlige war preußischer (!) Gesandter in Paris, eine Erfahrung, der sich wohl die Adaption der Louvre-Ost-Fassade verdankt, und besaß eine herausragende Gemäldesammlung. Die Säulen der Kolonnade sind übrigens aus Gusseisen gefertigt.

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Außerhalb des Zentrums auf einer Insel zwischen Warthe (Warta) und einem Kanal liegt die Kathedrale.

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Das Grab der Familie Górka von Hieronymus (Girolamo) Canavesi von ca. 1574. Das Detail zeigt die die Inschrift des Bildhauers, der, so steht es geschrieben, seinerzeit in der Floriansstraße in Krakau ansässig war.

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1909 errichtet, wurde die Synagoge 1939 von den deutschen Besatzern in eine Schwimmhalle umfunktioniert, die sie bis vor kurzem war. Es ist geplant, hier ein jüdisch-polnisches Kulturzentrum einzurichten. Noch einmal nach Breslau zurück gekehrt, bemerken wir, um wieviel moderner sich das Stadtbild der niederschlesischen Metropole im Vergleich mit Poznań darstellt; moderner auch im Sinne von umfassend restauriert. Dies hängt sicher mit der am Ort bestens organisierten Architektenausbildung zusammen. Auf dem Weg von Poznań nach Breslau waren wir noch am Grab der Heiligen Hedwig in Trzebnica. Das nächste Mal geht es in den Norden bzw. nach Osten: Danzig, Thorn, Warschau, Lublin. Die England-Exkurson wird bei Gelegenheit nachgetragen.

 

 

 

 

 

 

 

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